DANI PLOEGER

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SMART FENCE

2019
augmentierter Siebdruck
42 x 59 cm
Unterstützende Entwicklerin: Elisabeth Thielen

 


Smartphone, Smart Home, Smart Clothes, Smart Water. Der Begriff „Smart“ ist im Marketingjargon zum allgegenwärtigen Buzzword geworden und malt das Bild künstlich intelligenter High-Tech-Produkte zur Alltagserleichterung und gesundheitsoptimierenden Ernährung des fortschrittlichen Menschen. Smarte Objekte trägt dieser in der Hosentasche und auf der Haut, er lässt sie in sein Schlafzimmer und nimmt sie sogar körperlich auf. Doch wie verfährt der fortschrittliche Mensch, wenn er sich jemanden vom Leibe halten will?

Smart Fence ist der Titel einer mehrteiligen Arbeit Dani Ploegers – und dieser Titel ist keine zynische Überspitzung des geschilderten Marketingtrends, sondern die tatsächliche Bezeichnung von Hightech-Grenzzäunen, die an Teilen der Außengrenzen Europas stehen, um Immigrant/innen abzuschrecken und fernzuhalten. Smart Fences sind mit „smarten“ Technologien wie Wärme- und Bewegungssensoren sowie Nachtsichtkameras ausgestattet. Die High-Tech-Ausstattung des Zauns steht dabei in krassem Gegensatz zu ihrem archaischen Zweck angsterfüllter Abschottung. Ploeger schrieb hierzu in einem Interview mit We-make-money-not-art: “[T]heir framing as supposedly clean and precise technologies is symptomatic of a broader cultural practice that uses narratives of technologization to justify means of violence” (http://we-make-money-not-art.com/cutting-through-the-smart-walls-and-fences-of-fortress-europe/). Dass der Einsatz von Smart Fences bisher nur von Ungarn betrieben und auf die „uneuropäische“ Politik des ungarischen Präsidenten Victor Orban zurückzuführen sei, lässt Ploeger nicht gelten, denn: „This perspective ignores that Frontex, the European Border and Coast Guard Agency, is also active at the Hungarian border fence and that Greece, Spain and Latvia, among others, have built or are building similar fences, although these have not received as much media attention. In the end, these fences are quite convenient to many governments across the EU that want to restrict immigration“ (http://we-make-money-not-art.com/cutting-through-the-smart-walls-and-fences-of-fortress-europe/).

Im Zentrum von Ploegers Ausstellung von Smart Fence in der belgischen Bruthaus Galerie 2019 stand ein originales Stück Smart Fence von der Grenze zwischen Ungarn und Serbien – es ist die Trophäe eines nicht ungefährlichen Überraschungsangriffs des Künstlers auf diesen Zaun, der auf Video dokumentiert und online veröffentlicht ist. In seiner AR-Arbeit ist ein Stück dieses Stacheldrahts als papierfarbene Aussparung vor den bleigrauen Hintergrund eines Siebdrucks gesetzt. In Unity wird es nicht als 3D-Objekt, sondern als Grafik repräsentiert und ist zu Beginn der Augmentierung transparent. Sobald man den als Marker dienenden Siebdruck scannt, wird der Alpha-Kanal der Textur und somit die Deckkraft langsam bis auf den Maximalwert erhöht, wobei sich die Textur auf die Kamera und somit den Nutzer bzw. die Nutzerin zu bewegt. Während das rostig gezahnte Stück Metall auf den Nutzer zuschwebt, fängt es langsam an sich zu drehen. Durch eine Drehung des Smartphones, welche über das Accelerometer des Geräts ausgelesen wird, kann dem Objekt nun ein kurzer Drehimpuls gegeben werden, bevor es an der Kamera vorbeischwebt und schließlich verschwunden ist.

Text: Maja Stark und Elisabeth Thielen

Über den Künstler:

Dani Ploeger kombiniert Performance, Video, Computerprogrammierung und Elektronik-Hacking, um die Spektakel der Techno-Consumer-Kultur zu untersuchen und zu untergraben. Seine Arbeit, die alltägliche Geräte umwidmet, missbraucht und zuweilen zerstört, enthüllt scheinbar banale und für selbstverständlich gehaltene Aspekte der digitalen Kultur als Objekte von sowohl physischer Schönheit als auch politischer Macht.

Unter anderem hat er mit traditionellen Metallarbeitern in der Altstadt von Kairo zusammengearbeitet, um Tablet-Computer mit Stahlblech zu verkleiden, an einem Schusswaffentraining in Polen teilgenommen, um mit einem AK47 auf ein iPad zu schießen, eine VR-Installation mit Fronttruppen im Donbass-Krieg gemacht und ist zu Mülldeponien in Nigeria gereist, um Elektronikschrott aus Europa zu sammeln.

www.daniploeger.org